Die beste Art der Sozialisation


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Von J. Michael Smith
"Jedes Kind muss auch einmal die Erfahrung einer blutigen Nase auf dem Schulhof machen. Das ist einfach ein normaler Bestandteil aufzuwachsen und ein Teil des Sozialisierungsprozesses.“

Diese Erklärung wurde in einem juristischen Schriftsatz vor vielen Jahren von einem Rechtsanwalt abgegeben, der den Staat North Dakotas vertrat. Er behauptete, dass Bildung mehr sei als akademische Fächer. Ungeachtet der Tatsache, dass North Dakotas Homeschooler akademisch auf einem sehr guten Stand waren, vertrat der Staat die Ansicht dass Kinder "richtig sozialisiert werden müssen" - und dass richtige Sozialisation nur in einer traditionellen Schulumgebung stattfinden könne.

Zu behaupten, dass alle mal die Erfahrung einer blutigen Nase machen müssen, könnte fast schon komisch sein, wenn nicht viel zu viele Menschen die Sichtweise dieses Rechtsanwalts teilen würden. Tatsächlich ist die am meisten gestellte Frage an Homeschooler: "Wie ist es mit der Sozialisation?" Glücklicherweise ist es nicht schwer, die Frage nach der Sozialisation umzudrehen und starke Argumente fürs Homeschooling vorzubringen.

Die Begriff "Sozialisation" hat viele Nebenbedeutungen, aber wenn er an eine Homeschool Familie gerichtet wird, ist die logische Schlussfolgerung, dass Sozialisation normalerweise bedeutet, dass Kinder viel Zeit mit anderen Kindern in derselben Altersgruppe oder derselben Klasse verbringen. Das McGraw-Hill-Wörterbuch der wissenschaftlichen und technischen Begriffe definiert Sozialisation als "den Prozess, wodurch ein Kind lernt mit jemandem auszukommen und sich ähnlich zu benehmen wie andere Leute in der Gruppe, größtenteils durch die Nachahmung, aber auch durch Gruppendruck." Gemäß dieser Definition können wir annehmen, dass Sozialisation entweder positiv oder negativ, aber nicht neutral sein kann.

Im New Dictionary of Cultural Literacy wird Sozialisation folgendermaßen definiert: „...die Gewohnheiten, Einstellungen und Werte einer sozialen Gruppe, Gemeinschaft oder Kultur zu erlernen. Sozialisation ist grundlegend für die Entwicklung von Menschen, die an ihrer Gesellschaft teilhaben und darin Funktionen wahrnehmen wollen, aber auch um sicherzustellen, dass die kulturellen Fähigkeiten einer Gesellschaft an die nächste Generationen weitergegeben werden.“

Desweiteren definiert das American Heritage Stedman's Medical Dictionary Sozialisation als "den Prozess, zwischenmenschliche und aus sozialer Interaktion resultierende Fertigkeiten zu erlernen, die in Übereinstimmung mit den Werten der jeweiligen Gesellschaft sind."

Ein allgemein verbreitetes Thema dieser Definitionen scheint ein Verhalten zu sein, das mit der Gesellschaft oder der Gruppe übereinstimmt. Folglich sind Nonkonformisten - wenn es zur korrekten Sozialisation kommt - verdächtig. Weil Homeschooler nicht in traditionelle Bildungsnormen hineinpassen, nehmen viele Menschen an, dass sie nicht richtig ordentlich sozialisiert werden.

Viele die zu Hause lernen, haben Homeschooling ausdrücklich gewählt, weil ihrer Ansicht nach in der Schule und den typischen Gleichaltrigengruppen nicht die Kräfte für eine positive Sozialisation zu finden sind.

Wir wissen von Einzelberichten, dass die Mehrheit der zu Hause lernenden Teenager nicht die traditionelle Teenager-Rebellion erlebt. Die 2004 durchgeführte Studie „Homeschooling Grows up“ von Dr. Brian D. Ray, liefert Daten, die zeigen, dass Teenager, die zu Hause gelernt haben, erfolgreich in die Gesellschaft integriert sind. Es gibt nur sehr geringe Anhaltspunkte für Teenagerrebellion, dafür aber bemerkenswerte Zahlen von Schülern, die ihre Reife beweisen, indem sie in ihren Gemeinschaften eingebunden sind und allgemein von einer gute Beziehung zu ihren Eltern berichten.

Homeschooler stehen nun nicht allein mit ihrer Ansicht eines negativen Einflusses von Gleichaltrigengruppen auf eine gute Sozialisation. Dr. Robert Epstein, ein bekannter Psychologe, stellt die landläufige Meinung in Frage, dass Teenager durch eine Phase der Rebellion und des Aufruhrs gehen müssten. Dr. Epstein behauptet in seinem jüngsten Buch und der Titelgeschichte dieser Ausgabe (des Court Report – d.Ü.), dass die Art und Weise in der Teenager in der Gesellschaft von Eltern, Schulen, Unterhaltungsmedien und Gleichaltrigengruppen behandelt werden, mit großer Wahrscheinlichkeit dazu beiträgt, dass ein bemerkenswerter Unterschied besteht in der Art und Weise wie ein Teenager im Vergleich zu einem Erwachsenen agiert.

Er stellt heraus, dass wenn die Teenagerrebellion lediglich ein Ablauf im Gehirn wäre, dieses Phänomen in allen Kulturen zu allen Zeitperioden zu beobachten wäre. Das ist aber nicht der Fall. In vorindustriellen Kulturen, wo Teenager die meiste Zeit mit Erwachsenen verbrachten, hatte die Mehrheit dieser Gesellschaften noch nicht mal ein Wort für Pubertät entwickelt und die meisten jungen Männer in diesen Kulturen zeigte kein unsoziales Verhalten. Studien zeigen, dass beginnend in den achtziger Jahren des 20 Jahrhunderts die Kriminalität in nicht-westlichen Ländern anstieg als der westliche Lebensstil von Schule, Fernsehen und Kino eingeführt wurde.

Dr. Epstein schießt daraus, dass der starke und weitestgehend negative Einfluß von Gleichaltrigengruppen, Schulen und den Medien die Hauptkräfte sind, die das Teenagerverhalten in den entwickelten Ländern antreiben, womit er eine glaubwürdige Erklärung dafür anbietet warum amerikanische (und europäische – d. Übersetzer) Teenager oft unreif und rebellisch sind. (Nun, sind Sie nicht froh Homeschooling gewählt zu haben, besonders für Ihre Teenager?)

Ein weiteres positives Resultat der Sozialisation, die zu Hause unterrichtete Kinder empfangen ist, dass sie schneller Reife entwickeln und fähig sind Verantwortung in einem früheren Alter zu übernehmen. Diese Wirklichkeit fordert uns Eltern heraus: Sind wir bereit, dass unsere Kinder Unabhängigkeit viel früher entwickeln als die Gleichaltrigen in anderen Schulumgebungen? Ich stimme mit Dr. Epstein überein, dass dies eine positive Sache für junge Leute ist – so lange sie auch weiterhin ihre Verantwortlichkeit erkennen ihre Eltern und andere die Autorität über sie haben, zu achten und ihnen zu gehorchen.

Obwohl dieser Wandel für viele von uns schwer zu akzeptieren ist, bereiten wir unsere Kinder darauf vor, selbständig zu denken und weise Entscheidungen zu treffen, wenn sie einmal auf sich selbst gestellt sind. Das bedeutet, dass wir von unseren Kindern in jüngeren Jahren mehr erwarten und ihnen mehr Verantwortung übertragen können. Und wenn sie sich fähig zeigen in den Aufgaben, die wir ihnen anvertraut haben, dann können wir ihnen mehr Verantwortung geben. Das ist das Rezept um junge Menschen vorzubereiten, die das Reich Gottes wirklich voranbringen können, besonders in jungen Jahren.

Im Endeffekt wollen wir nicht dass unsere Kinder zu gedankenlosen Robotern für die Massenkultur und den Staat werden oder eine Gesinnung, einen Glauben oder ein Verhalten entwickeln, dass nicht in ihrem besten Interesse ist. Wir wollen, dass unsere Kinder die Goldene Regel praktizieren, gutes Benehmen haben, Menschen mit anderen Ansichten respektieren und feste Überzeugungen haben, die auf einer christlichen Weltanschauung basiert und dass sie dies auch vertreten können.

Unseren Teenagern Möglichkeiten zu geben Umgang zu haben mit Vorbildern und anderen Erwachsenen in unseren Familien, Kirchen und Gemeinschaften wird gute Früchte bringen und ihnen helfen eine Wahl zu treffen, dass den Druck begrenzt, der durch Umgang mit Gleichaltrigengruppen und die Massenmedien mit ihren unerwünschten Vorbildern mit sich bringt. Wenn diese unangepasste Art der Sozialisation unsere Nachbarn, Verwandte oder Freunde noch stört, dann lass es so sein. Gott gab speziell uns unsere Kinder um sie zu seinem Wohlgefallen aufzuziehen, nicht um irgendjemand anders zu gefallen.

Quelle: The Court Report 07-08/2007 – Homeschool Legal Defence Assocation

Original: http://www.hslda.org/courtreport/V23N4/V23N411.asp

Übersetzung: Jörg Großelümern