Homeschooling - Sozialisation


Soziale Kompetenz auf allen Ebenen. Ein wichtiger Aspekt in der kindlichen Entwicklung ist die soziale Kompetenz. Wenn Sie sich für das Lernen zu Hause interessieren oder es bereits selbst praktizieren, ist es sehr wahrscheinlich dass Sie auf den Punkt der Sozialisation angesprochen und besorgt gefragt werden, ob Kinder, die zu Hause unterrichtet werden nicht einen gravierenden Nachteil haben, weil sie mehr Zeit als andere Kinder mit ihren Familien statt mit Gleichaltrigen verbringen. Dabei gilt es als ein unumstössliches gesellschaftliches Dogma, dass Kinder möglichst viel Zeit und Umgang in Gruppen Gleichaltriger verbringen müssen, um soziale Fähigkeiten zu erlernen.
Gleichzeitig wird jedoch von verschiedensten Seiten eine fehlende Primärsozialisation und ein zunehmender Werteverfall beklagt. Fast jede Woche ist von Gewalt gegen Schüler und Lehrer an öffentlichen Schulen zu lesen. Mobbing und Aggressivität der Schüler untereinander nehmen erschreckend zu. Folgt man der Meinung der Bildungspolitiker und der Gerichte, so müssten die Schulen eigentlich aber voll von rücksichtsvollen, höflichen und gut sozialisierten Menschen sein, da angeblich nur dort eine optimale Sozialisierung gewährleistet sei. Die Realität sieht allerdings ein wenig anders aus. Die Gewaltexzesse an der Berliner Rütlischule sind nur die Spitze eines Eisberges.

Der kanadische Psychologe Dr. Gordon Neufeld hat in seinem wegweisenden Buch “Unsere Kinder brauchen uns” nachgewiesen, dass die Orientierung der Kinder an Gleichaltrigen ein verhängnisvoller Irrweg ist. Gleichaltrigenorientierung meint, dass Kinder und Jugendliche ihre Identität, ihre Werte und Verhaltenscodes zunehmend von unreifen Gleichaltrigen beziehen, statt von Eltern und gereiften erwachsenen Persönlichkeiten. Die Gleichaltrigensozialisation zerstört den familiären Zusammenhalt, blockiert die Entwicklung zu wahrer Eigenständigkeit, vergiftet die Atmosphäre in den Schulen und fördert eine aggressive und sexualisierte Jugendkultur.

Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, haben optimale Voraussetzung, um soziale Kompetenz auf allen Ebenen zu erwerben. Die erst und wichtigste Sozialisationsinstanz, die Kindern über Jahrhunderte hinweg zuverlässig Werte und soziale Verhaltensweisen vermittelt hat und sie zu selbständigen und gefestigten Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft herangezogen hat ist die Familie. Sie begleitet Kinder, die zu Hause lernen in den so wichtigen Lebensjahren ihrer Persönlichkeitsentwicklung und vermittelt ihnen den nötigen Schutz und die Geborgenheit, die so elementar wichtig sind, nicht nur allein für ein erfolgreiches und nachhaltiges Lernen, sondern auch für ein gesundes Selbstvertrauen und die Entwicklung zu selbständig denkenden Menschen und gereiften Persönlichkeiten, die nicht nur angepasste Mitläufer sind.

Neben der Familie verfügen Kinder, die selbstbestimmt lernen natürlich meist noch über eine Fülle weiterer sozialer Übungsfelder wie den, Freundeskreis, Sportverein, Kirchengemeinde, Musikschule, usw. Überhaupt muss der irrigen Vorstellung entgegengetreten werden als finde Homeschooling in einer Einzelzelle im Keller statt und die Kinder seien sozial isoliert. Derartige Meinungen werden von solchen geschürt, die ein Interesse daran haben die Bildungsalternative Homeschooling zu denunzieren, im Übrigen aber noch nie einmal eine derartige Familie persönlich besucht haben und auch keine Beweise für ihre Thesen vorlegen können. Auch bei Kindern, die in öffentliche Schulen gehen, finden das wirkliche Leben, Freundschaften und Beziehungen meist außerhalb der Schule am Nachmittag statt.

Ein wesentliches Vorzug von Homeschool-Kindern gegenüber anderen ist, dass sie mit verschiedenen Altersgruppen, gereiften Erwachsenen, Jüngeren wie Älteren zusammen leben und lernen, während staatlich beschulte Kinder fast ausschließlich durch Gleichaltrige geprägt und sozialisiert werden mit all den bereits beschriebenen negativen Folgen. Gerade die Interaktion verschiedener Altersgruppen unter der leitenden Aufsicht gereifter Erwachsener begünstigt ein positives Sozialverhalten. Hier können Jüngere zum Respekt vor Älteren und Ältere zur rücksichtsvollem, hilfsbereitem Verhalten Jüngeren gegenüber erzogen werden.

Warum Homeschooler oft über eine bessere Sozialisation verfügen legt Michael Smith, Präsident von HSLDA in diesem Artikel überzeugend dar. Zur weiteren vertiefenden Lektüre empfehlen wir außerdem den Aufsatz Sozialisation in Schule und bei Homeschoolern von Jan Edel.


Was Studien ergeben haben:

Homeschooling grews up - Eine Studie über die erfolgreiche Sozialisation amerikanischer Homeschooler
durchgeführt vom National Home-Education Research Institute in Zusammenarbeit mit Homeschool Legal Defence Association
Deutsche Übersetzung zum Download hier.

Sozialisation und Homeschooling aus christlicher Sicht ein Bericht von The Old Schoolhouse Magazine

Beim elterlichen Hausunterricht taucht immer wieder die Frage auf: “Wie ist es mit der Sozialisation?” und dies meint gewöhnlich “Wie wird das Kind lernen mit anderen zurechtzukommen, wenn es nicht den größten Teil des Tages in großen Gruppen mit Gleichaltrigen zusammen ist?” Eine Reihe von Studien hat sich mit der sozialen und psychologischen Entwicklung von zu Hause unterrichteten Kindern beschäftigt. Betrachtet man beispielsweise das Selbstverständnis, das die Kinder von sich haben, ergaben Studien, daß Homeschooler hier deutlich besser dastehen, als die Schüler der öffentlichen Schulen. Ein Forscher zieht den Schluß: “Ein niedriges Angstniveau kann ein entscheidender Faktor dafür sein....mehr Kontakt mit Personen verschiedenen Alters, elterliche Liebe, Unterstützung und Einbezogenheit, Unabhängigkeit und ein Gefühl für Verantwortung und Selbstwert können andere Faktoren sein, die dazu beitragen.” (Worldwide Guide to Homeschooling, p. 57-58).

Dr. Larry Shyers fand heraus, daß der Anteil der Schüler, mit Problemverhalten deutlich höher ist bei solchen, die die öffentlichen Schulen besuchten, als bei Gleichaltrigen, die zu Hause unterrichtet wurden.
Seine Studie ermittelte auch, daß konventionell beschulte Kinder deutlich aggressiver, lauter und mit mehr Konkurrenzdenken auftraten, als die Heimschüler. Er stellte die Theorie auf, daß die Heimschüler besser sind, weil ihre Orientierungspersonen die Eltern sind, anstatt die Gleichaltrigen. Zusammengefaßt kann gesagt werden, daß die Untersuchung herausgefunden hat, daß es zu Hause unterrichteten Kindern in ihrer sozialen, psychologischen und emotionalen Entwicklung gut geht.

Ein Teil der Gesellschaft?
Manchmal wird Heimschulfamilien nachgesagt sich und ihre Kinder von ihrer Umgebung und der Gesellschaft im Allgemeinen zu isolieren. Untersuchungen widerlegen jetzt diese Behauptungen. So führten beispielsweise Dres. Christian Smith und David Sikkink eine nationale Studie durch, die das Ausmaß des familiären Engagements in eine Vielzahl von gesellschaftlichen Aktivitäten untersuchte.

Ihre Schlußfolgerung: “Weit davon entfernt, isoliert und ins Private zurückgezogen zu sein, sind Heimschulfamilien typischerweise gesellschaftlich aktiv und in ihr Umfeld integriert. Der empirische Beweis ist deutlich und entscheidend: privat und zu Hause beschulte Kinder sind deutlich mehr ins gesellschaftliche Leben integriert als solche von öffentlichen Schulen. (Worldwide Guide, p. 75) Meine letzte Studie von Heimschülern aus Ohio fördert ähnliche Ergebnisse zu Tage.” Die gute Nachricht ist, daß Untersuchungen zum Homeschooling positive Effekte des häuslichen Unterrichts aufzeigen. Eltern haben es wieder gelernt, daß sie ihre Kinder erfolgreich lehren, trainieren und erziehen können. Durch den Glauben an einen Gott, der sie versorgt, können sie ihre Kinder unterrichten, ohne dafür durch Steuern Geld von ihren Mitbürgern zu nehmen. Es wird faszinierend sein zu sehen, was zukünftige Untersuchungen über häuslich unterrichtete Schüler herausfinden, wenn diese ins Erwachsenenleben übergehen, aus Glauben an den HERRN leben, eigene Familien gründen, arbeiten und in ihrem gesellschaftlichen Umwelt dienen.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jörg Großelümern